Brötchentanz auf Klangteppich : 'Goldrausch' als Filmlivekonzert des Deutschen Filmorchesters Babelsberg

(Märkische Allgemeine, Potsdam)

This German language review of "Gold Rush" is being translated into English.

Gold Rush Brecht berichtet, er habe Chaplins "Goldrausch" erst sehr spät gesehen, weil man in dem Kino, das den Film zeigte, so überaus scheußlich und unkünstlerisch Musik gemacht habe. Das war Stummfilmschicksal, denn damals kam es sehr darauf an, ob der Mann am Klavier genügend Einfühlung und Talent besaß.

Charlie Chaplin, der nicht nur ein genialer Filmkünstler, sonder auch ein begabter Musiker war, hat 1942 seinen 'Goldrausch' nachkomponiert. Das Gesamtkunstwerk war jetzt im Potsdamer Nikolaisaal zu erleben, mit einer präzis auf die szenische Aktion abgestimmten, klangprächtigen Wiedergabe der Partitur durch das Deutsche Filmorchester Babelsberg.

"Goldrausch" - das ist die bewegende Geschichte des kleinen Vagabunden mit Stöckchen und Melone in der lebensbedrohlichen Welt der Goldsucher von Alaska... Das beginnt optisch mit fast dokumentarischem Ernst und klanglich wie eine von traurigem Frauenschicksal handelnde Puccini-Oper. Aber dann tritt mit einer graziösen Leichtigkeit à la Rossini der kleine Mann mit dem großen Herzen und dem Kindergemüt auf, der sich mit einem gekritzelten Lageplan in der Eiswüste zu orientieren sucht. Maßloser Hunger, Lebensgefahr, Kälte, enttäuschte Liebe - für alles findet Chaplin Szenen von einer überwältigenden Komik.

Berühmt geworden sind Momente wie das Essen der Schuhe - worbei Charlie die Senkel wie leckere Spagetti mit elegantem Schwung um die Gabel wickelt - oder der virtuose Tanz der Brötchen. Hier wie in anderen Szenen auch wird die Musik als wichtiges Gestaltungselement begriffen. Als Musiker ist Chaplin ein Romantiker par excellence. Er zitiert Wagner und Puccini, er nimmt Anleihen beim Wiener Walzerkönig, er kann sinfonisch gewaltig aufbrausen und kammermusikalische Miniaturen setzen; ein paar leere Quinten malen die Kälte draußen und die Liebesqual im Herzen drinnen.

Der als Musical-Dirigent bewährte Scott Lawton beweist sicheres Gespür für Timbre, Tempo und Timing, die Schlagzeuger bringen Knalleffekte punktgenau. Mit warmem Ton und Pfiff breiten die erfahrenen Filmmusiker einen Klangteppich aus, auf dem der kleine Mann mit den zu großen Schuhen (einen davon verspeist er ja) seine watschelnden Schritte tun kann - ein nachhaltiges Erlebnis.