Bildhaftes Musizieren

(Potsdamer Neueste Nachrichten, 2.11.01)

Nino Rota Scott Lawton und das Brandenburgische Staatsorchester führen auf, was der italienische Komponist Nino Rota (1911-1979) sich zur musikalischen Garnierung des Film "Orchesterprobe" von Frederico Fellini hat einfallen lassen. Es sind eine Menge kurzer Charakterstücke diverser Instrumente. Sie entstanden, nachdem Fellini Gespräche mit entsprechenden Musikern führte und diese Protokolle zur Komposition weiterreichte. In seiner jungenhaften, saloppen Art trägt sie Scott Lawton genauso charmant vor wie er später mit informativen und anekdotenreichen Anmerkungen nicht spart. ... Die Solisten des Staatsorchesters geben sich alle Mühe, diesen Worten die entsprechenden Klangtaten folgen zu lassen.

Im Zusammenspiel erweisen sie sich nicht weniger versiert. Was oftmals reichlich abwertend, weil als zu gefühlstriefend und seicht empfunden, als "Filmmusik" bezeichnet wird, adeln sie durch klangprächtiges leichtes und duftiges, detail- und rhythmisch genauses Musizieren... Und so hält Scott Lawton die Zügel recht fest, spornt mit sparsamen Gesten an, formt einen transparenten und schlanken Klang. Er lässt in den Filmmusik-Suiten durchweg bildhafte Eindrücke entstehen, die das Fehlen der Filmsequenzen glatt vergessen machen. Anders als ihre Babelsberger Kollegen wissen die Frankfurter mit einem warm getönten sinfonischen Sound zu überzeugen, deren sagenjafte Präzision und Orchesterbrillanz können sie allerdings nicht erreichen.