Concert by the Saarland State Orchestra

Karlheinz Dettweiler (Rheinpfalz Online , 05.06.2003 )

Music which bubbles with vitality

Hebrew Symphonies spark audience at the Saarbrücken Congress Hall to standing ovations at the close of a three hour concert

The World Quintet (This review of a concert with the Saarland State Orchestra and The World Quintet is in the process of translation.)

Saarbrücken. Ein normales Sinfoniekonzert dauert etwa zwei Stunden. Also zahlt man, wie immer, in Saarbrücken die Parkgebühren im Voraus, um nach Konzertende nicht lange an der Kasse anstehen zu müssen. Im siebten Konzert des Saarländischen Staatsorchesters war die Parkuhr allerdings schon lange abgelaufen, als die letzten Beifallsstürme erst kurz vor 23 Uhr verebbten. Denn an den beiden Konzert-Tagen in der sehr gut besuchten Saarbrücker Congresshalle geschah Ungewöhnliches, und das Publikum nannte das Konzert mehrfach lautstark sogar “unglaublich". Dies bezog sich sowohl auf das Programm mit dem Schwerpunkt Klezmer-Musik als auch auf die überragenden Interpretationen, die, was in Saarbrücken nicht oft vorkommt, zu Standing Ovations und einer Reihe von Zugaben führten.

Das Motto des Konzertes “Stimme der Freude" stand schon lange fest. Nur sollte ursprünglich Neil Varon Mendelssohns Schottische Sinfonie dirigieren, der eine Klezmer-Sinfonie folgen sollte. Aber es kam anders.

Am Pult stand jetzt mit Scott Lawton der Chefdirigent des Deutschen Filmorchesters Babelsberg, der vor Jahren als Kapellmeister in Saarbrücken tätig war und den das Orchester offenbar noch gut kannte. Wie sonst wäre ein solch perfektes Zusammenspiel, eine solch mitreißende, vor Vitalität und Akkuratesse förmlich sprühende Wiedergabe völlig unbekannter Werke möglich gewesen?

Und da der Erzmusikant Scott Lawton auch das ursprüngliche Konzept von Dramaturg Alexander Jansen gerne übernahm, gab es also eine abenteuerliche und vor allem im zweiten Teil mitreißende Reise durch die Welt der Klezmer-Musik. Ihre Wurzeln liegen wohl im Hochmittelalter zwischen 1000 und 1250 herum, ihre Entwicklung erfolgte allerdings erst im 18. und 19. Jahrhundert im osteuropäischen Judentum.

Sergej Prokofjews bekannte Ouvertüre über hebräische Themen, das einzige bekannte Werk des Abends, machte sogleich den folkloristischen Hintergrund dieser rhythmisch prägnanten Musik mit fulminanten Schlussakkorden deutlich. Es folgten zwei Werke, die in großformatiger sinfonischer Form ebenfalls Klezmerthemen verarbeiteten und deren Komponisten Ende der 20er Jahre am Saarbrücker Theater tätig waren.

Werke von Saguer und Lavry

Die Namen Louis Saguer (1907- 1991) und Marc Lavry (1903-1967) waren bisher sicherlich nur Musikfachleuten bekannt. Jetzt erfuhr auch das Publikum in der Congresshalle, mit welcher Originalität und klanglichen Raffinesse die “Suite Séfardi" und das sinfonische Poem “Emek" Stimmungen und Atmosphäre in durchaus verfolgbarer Melodik und mit urwüchsigem Temperament wiedergeben können.

Nach diesem schon sehr anregenden ersten folgte ein absolut ausgefallener zweiter Teil, der, verstärkt durch große Anlagen, zwar akustisch stellenweise die Schmerzgrenze überschritt, aber durch die lebendige, offene Musiksprache und die packende Spielfreude und Virtuosität einfach mitriss.

“The World Quintet" aus der Schweiz mit seinem Komponisten und Pianisten Olivier Truan, Klarinettisten Michael Heitzler, Flötisten Ariel Zuckermann, Bassisten Daniel Fricker und Schlagzeuger David Klein verknüpfte die osteuropäische Musiktradition mit Jazz und Elementen der Klassik alleine und im Zusammenspiel mit dem Orchesters zur großartigen Einheit und stimmte die Zuhörer überwältigend auf das Motto des Abends ein.